Die Wahl der Franchise gehört zu den wichtigsten Entscheidungen rund um die Krankenversicherung. Dennoch wird sie oft nur einmal getroffen und danach über Jahre hinweg nicht mehr überprüft. Dabei kann die passende Franchise mehrere Hundert Franken Unterschied pro Jahr ausmachen. Das gilt besonders für 2027: Vor der Veröffentlichung der offiziellen Prämien lohnt es sich, die eigene Franchise zu überprüfen und mögliche Auswirkungen auf die Gesamtkosten abzuschätzen. So können Sie frühzeitig beurteilen, ob eine Anpassung Ihrer Krankenversicherung sinnvoll sein könnte.
Viele Versicherte orientieren sich ausschliesslich an der Höhe der monatlichen Prämie. Doch wer nur auf die Prämie achtet, übersieht oft die Gesamtkosten. Denn eine tiefere Prämie bedeutet nicht automatisch, dass Sie am Ende des Jahres weniger bezahlen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Franchise, Selbstbehalt und den tatsächlich anfallenden Gesundheitskosten.
Die optimale Franchise hängt deshalb immer von Ihrer persönlichen Situation ab. Wie häufig nehmen Sie medizinische Leistungen in Anspruch? Haben Sie regelmässige Arztbesuche oder laufende Behandlungen? Verfügen Sie über genügend finanzielle Reserven, um im Notfall höhere Kosten selbst zu tragen?
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie die Franchise funktioniert, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Modelle haben und worauf Sie bei der Wahl Ihrer Franchise für das Jahr 2027 achten sollten.
Die Franchise ist jener Betrag, den Sie bei der obligatorischen Grundversicherung jedes Kalenderjahr selbst an den Kosten für medizinische Leistungen übernehmen, bevor sich die Krankenkasse an den Kosten beteiligt.
Für Erwachsene stehen in der Schweiz verschiedene Franchise-Stufen zur Auswahl:
CHF 300 (ordentliche Franchise)
CHF 500
CHF 1'000
CHF 1'500
CHF 2'000
CHF 2'500
Für Kinder gelten besondere Regelungen. Die Franchise kann je nach Krankenkasse zwischen CHF 0 und CHF 600 gewählt werden. Welche Variante sinnvoll ist, hängt von den erwarteten Gesundheitskosten und der individuellen Familiensituation ab.
Grundsätzlich gilt: Je höher die gewählte Franchise, desto tiefer fällt die monatliche Krankenkassenprämie aus. Dafür übernehmen Sie im Krankheitsfall zunächst einen grösseren Teil der Kosten selbst.
Bei Unfällen kommt die Franchise nur zur Anwendung, wenn der Unfallschutz über die Krankenkasse versichert ist.
Ein einfaches Beispiel: Erhalten Sie im Laufe eines Jahres Arztrechnungen von CHF 1'800 und haben eine Franchise von CHF 2'500 gewählt, tragen Sie diese Kosten vollständig selbst. Die Krankenkasse beteiligt sich erst, wenn die Franchise erreicht ist.
Unsicher, welche Franchise zu Ihnen passt?
Eine zu hohe Franchise kann im Krankheitsfall hohe Eigenkosten verursachen. Eine zu tiefe Franchise führt oft zu unnötig hohen Prämien. Unsere Expertinnen und Experten helfen Ihnen dabei, die passende Lösung für Ihre persönliche Situation zu finden.
Beratungstermin vereinbarenDie Begriffe Franchise und Selbstbehalt werden häufig miteinander verwechselt, obwohl sie unterschiedliche Funktionen haben.
Franchise: Die Franchise ist der Betrag, den Sie zuerst vollständig selbst bezahlen.
Selbstbehalt: Nachdem die Franchise erreicht wurde, beteiligt sich die Krankenkasse an den weiteren Kosten. Gleichzeitig tragen Sie in der Regel 10 Prozent der anfallenden Kosten selbst. Dieser Anteil wird als Selbstbehalt bezeichnet.
💊 Wissenstipp: Medikamente können den Selbstbehalt erhöhen
Für bestimmte Arzneimittel kann ein erhöhter Selbstbehalt gelten, wenn günstigere Generika oder Biosimilars verfügbar sind. Fragen Sie bei Unsicherheiten Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke nach möglichen Alternativen.
Für die Beurteilung der tatsächlichen Kosten ist deshalb nicht nur die Franchise relevant, sondern die Summe aus Krankenkassenprämie, Franchise und Selbstbehalt. Wer lediglich die Prämie betrachtet, erhält oft kein realistisches Bild der tatsächlichen Kosten.
Viele Menschen gehen davon aus, dass sich die höchste Franchise von CHF 2'500 grundsätzlich lohnt, weil die monatliche Prämie sinkt. Diese Strategie funktioniert jedoch nicht für alle. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht «Wie hoch ist die Prämienersparnis?», sondern «Welche Gesamtkosten entstehen mir voraussichtlich über das ganze Jahr?».
💡 Wissens-Tipp: Kein Bonus-Malus
Anders als bei der Autoversicherung gibt es hier keinen Rabatt für ein Jahr ohne Leistungsbezüge. Viele denken, ein gesundes Jahr zahle sich später in tieferen Prämien aus. Das stimmt in der obligatorischen Grundversicherung schlicht nicht. Die Prämienhöhe richtet sich nach Kanton, Region, Kasse und gewählter Franchise, nicht nach der individuellen Schadenhistorie.
Die höchste Franchise eignet sich häufig für Personen, die nur selten medizinische Leistungen beanspruchen. Sie kann sich insbesondere lohnen, wenn Sie selten zum Arzt gehen, keine regelmässigen Medikamente benötigen, keine geplanten medizinischen Behandlungen erwarten und über genügend finanzielle Reserven verfügen. In solchen Fällen profitieren Sie von tieferen monatlichen Prämien, während das Risiko höherer Gesundheitskosten vergleichsweise gering bleibt.
💰 Spartipp: Reserve-Konto
Wer die Franchise erhöht, sollte die monatlich gesparte Prämie konsequent auf ein separates Konto legen. So ist im Ernstfall wirklich Geld da, statt dass die Ersparnis im Alltag verpufft und die Rechnung Sie kalt erwischt.
Wer regelmässig medizinische Leistungen benötigt, sollte die Wahl einer tieferen Franchise prüfen. Dazu gehören beispielsweise Personen, die regelmässig Medikamente beziehen, mehrere Arztbesuche pro Jahr haben, Physiotherapien oder andere Therapien in Anspruch nehmen oder unter chronischen Erkrankungen leiden. Je höher die Gesundheitskosten ausfallen, desto häufiger kann eine tiefere Franchise insgesamt günstiger sein.
🎯 Experten-Tipp: Timing bei geplanten Eingriffen
Wer eine Operation, Geburt oder grössere Behandlung fürs nächste Jahr bereits plant, sollte eine Franchise-Erhöhung gezielt vermeiden bzw. sie erst nach Abschluss der Behandlung in Betracht ziehen. Das merken viele erst, nachdem die Anpassung schon läuft.

Neben den Gesundheitskosten der Erwachsenen spielen auch unerwartete Arztbesuche oder Unfälle der Kinder eine wichtige Rolle. Eine allgemeingültige Empfehlung gibt es deshalb nicht. Entscheidend ist vielmehr, wie hoch die Gesundheitskosten in den vergangenen Jahren waren und welche Ausgaben in Zukunft zu erwarten sind. Familien sollten nicht nur die Prämie berücksichtigen, sondern auch mögliche Arztbesuche und unerwartete Gesundheitskosten einplanen.
👨👩👧👦 Familien-Tipp: Selbstbehalt bei Kindern
Ein oft übersehener Punkt: Der maximale Selbstbehalt liegt bei Kindern bei CHF 350 statt CHF 700 wie bei Erwachsenen. Sind mehrere Kinder einer Familie bei derselben Krankenkasse versichert, gilt für sie zusammen höchstens der Franchise- und Selbstbehalt-Höchstbetrag einer erwachsenen Person (CHF 300 + CHF 700 = CHF 1'000) – in der Praxis wird der Deckel meist ab dem dritten Kind relevant, da zwei Kinder mit je CHF 350 diesen Betrag ohnehin nicht übersteigen.
Quelle: fedlex.amin.ch
Bei der Wahl der Franchise sollte nicht ausschliesslich die Wahrscheinlichkeit eines Arztbesuchs berücksichtigt werden. Ebenso wichtig ist die Frage, ob Sie eine unerwartete Rechnung von mehreren Tausend Franken problemlos bezahlen könnten. Wer über ausreichende Rücklagen verfügt, kann oftmals von einer höheren Franchise profitieren. Wer hingegen nur begrenzte finanzielle Reserven hat, fühlt sich mit einer tieferen Franchise häufig wohler. Letztlich geht es nicht nur um das Sparpotenzial, sondern auch um die persönliche Risikobereitschaft.
Wer das Kostenrisiko eines unerwarteten Spitalaufenthalts zusätzlich reduzieren möchte, kann eine passende Absicherung prüfen. So lassen sich hohe Eigenkosten im Ernstfall auffangen, ohne auf die Prämienvorteile einer hohen Franchise verzichten zu müssen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag zur Kapitalversicherung für Spitalaufenthalte.
Bevor Sie Ihre Franchise anpassen, lohnt sich eine ehrliche Bestandsaufnahme. Fragen Sie sich beispielsweise:
Wie hoch waren meine Gesundheitskosten in den letzten zwei bis drei Jahren?
Wie oft habe ich medizinische Leistungen beansprucht?
Sind grössere Behandlungen geplant?
Kann ich im Notfall bis zu CHF 3'200 (Franchise und Selbstbehalt) kurzfristig selbst bezahlen?
Ist die Prämienersparnis die zusätzliche finanzielle Belastung wert?
Je besser Sie Ihre persönliche Situation kennen, desto einfacher wird die Wahl der passenden Franchise.
Nur auf die Prämie achten: Entscheidend sind die Gesamtkosten und nicht allein die monatliche Prämie.
Finanzielle Reserven überschätzen: Die höchste Franchise lohnt sich nur, wenn unerwartete Gesundheitskosten selbst getragen werden können.
Franchise nie überprüfen: Veränderungen der Lebenssituation können dazu führen, dass eine andere Franchise besser geeignet wäre.
Mit den eingeführten Änderungen im Schweizer Gesundheitswesen gewinnt auch die regelmässige Überprüfung der eigenen Krankenversicherung an Bedeutung.
Eine Franchise-Entscheidung ist nicht für die Ewigkeit. Was heute sinnvoll ist, muss in einigen Jahren nicht mehr die beste Lösung sein. Typische Ereignisse, die eine Überprüfung sinnvoll machen, sind Familiengründung, berufliche Veränderungen, Pensionierung, gesundheitliche Veränderungen sowie regelmässige neue Behandlungen oder Medikamente.
Deshalb lohnt es sich, die eigene Krankenversicherung und die gewählte Franchise regelmässig zu überprüfen. Wer seine Situation über mehrere Jahre hinweg unverändert lässt, verschenkt unter Umständen Sparpotenzial oder zahlt unnötig hohe Gesundheitskosten.
Die Franchise ist nur ein Teil Ihrer Krankenversicherung. Auch die Wahl der Krankenkasse, des Versicherungsmodells und möglicher Zusatzversicherungen beeinflusst die Gesamtkosten. Neben der Franchise beeinflussen beispielsweise auch folgende Faktoren die Kosten: die Wahl der Krankenkasse, Hausarzt-, HMO- oder Telmed-Modelle, Zusatzversicherungen sowie Wohnort und regionale Prämienunterschiede.
💡 Insider-Tipp: Unfalldeckung separat prüfen
Wer über den Arbeitgeber bereits obligatorisch unfallversichert ist (in der Regel ab durchschnittlich rund 8 Stunden Arbeit pro Woche), kann die Unfalldeckung in der Grundversicherung ausschliessen lassen und so zusätzlich die Prämie senken. Unabhängig von der gewählten Franchise.
Wer seine Krankenversicherung ganzheitlich betrachtet, erkennt häufig weitere Optimierungsmöglichkeiten. Auf unserer Seite Krankenkassenprämien sparen erfahren Sie, welche Möglichkeiten zur Senkung der Gesundheitskosten bestehen. Planen Sie einen Wechsel der Krankenkasse, finden Sie auf unserer Seite Krankenkassenwechsel weitere Informationen zu Fristen und Kündigungsmöglichkeiten.
Die Wahl der richtigen Franchise hängt von verschiedenen Faktoren ab: Ihren Gesundheitskosten, Ihrer finanziellen Situation und Ihren Plänen für die kommenden Jahre. Was für eine Person die beste Lösung ist, kann für eine andere unnötige Mehrkosten verursachen.

In einem persönlichen Beratungsgespräch prüfen wir gemeinsam Ihre aktuelle Krankenversicherung und zeigen Ihnen auf, welche Franchise und welches Versicherungsmodell zu Ihrer Situation passen.
Unabhängige Beratung
Prüfung Ihrer aktuellen Krankenversicherung
Unterstützung bei einem Krankenkassenwechsel
Individuelle Empfehlungen statt Standardlösungen
Ja. Die Franchise der Grundversicherung kann grundsätzlich jeweils auf den Beginn eines neuen Kalenderjahres angepasst werden. Eine regelmässige Überprüfung lohnt sich besonders dann, wenn sich Ihre Lebenssituation, Ihr Gesundheitszustand oder Ihre finanziellen Möglichkeiten verändert haben.
Eine Änderung der Franchise muss in der Regel bis zum 30. November für das Folgejahr bei der Krankenkasse eingereicht werden. Für eine höhere Franchise gewähren manche Versicherer etwas mehr Zeit, teilweise bis Jahresende. Da die genauen Fristen je nach Krankenkasse variieren können, lohnt es sich, den Stichtag von Ihrer Kasse bestätigen zu lassen.
Nein. Die gewählte Franchise gilt grundsätzlich für das gesamte Kalenderjahr. Sobald das Jahr begonnen hat, kann die Franchise in der Regel erst wieder auf den nächsten Jahreswechsel angepasst werden.
Für Kinder unter 18 Jahren gelten besondere Regelungen. Im Gegensatz zu Erwachsenen besteht keine obligatorische Mindestfranchise von CHF 300. Je nach Krankenkasse können unterschiedliche Franchise-Stufen für Kinder gewählt werden. Welche Variante sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation und den zu erwartenden Gesundheitskosten ab.
Sobald Ihre Franchise ausgeschöpft ist, beginnt sich die Krankenkasse an den weiteren Kosten zu beteiligen. Anschliessend übernehmen Sie weiterhin einen Teil der Kosten in Form des gesetzlichen Selbstbehalts. Erst danach trägt die Krankenkasse den grössten Teil der gedeckten Leistungen der Grundversicherung.
Nein. Die höchste Franchise führt zwar zu tieferen monatlichen Prämien, ist aber nicht automatisch die günstigste Lösung. Wer regelmässig medizinische Leistungen benötigt oder keine ausreichenden finanziellen Reserven besitzt, fährt mit einer tieferen Franchise häufig besser. Entscheidend sind immer die gesamten Kosten über das Jahr und nicht nur die Höhe der monatlichen Prämie.
Nein. Neben der monatlichen Prämie sollten auch Franchise, Selbstbehalt und die erwarteten Gesundheitskosten berücksichtigt werden.
Ein guter Ausgangspunkt sind Ihre Gesundheitskosten der vergangenen Jahre. Überlegen Sie sich: Wie oft haben Sie medizinische Leistungen in Anspruch genommen? Nutzen Sie regelmässig Medikamente? Sind grössere Behandlungen absehbar? Welche finanziellen Reserven stehen Ihnen im Notfall zur Verfügung? Je besser Sie Ihre persönliche Situation kennen, desto einfacher fällt die Wahl der passenden Franchise.
Mindestens einmal pro Jahr. Insbesondere nach Veränderungen Ihrer persönlichen oder finanziellen Situation empfiehlt sich eine erneute Überprüfung. Was heute die optimale Franchise ist, muss in einigen Jahren nicht zwingend die beste Lösung bleiben.
Ja. Die Franchise ist einer der wichtigsten Faktoren für die Höhe der Krankenkassenprämie. Oft entsteht das grösste Sparpotenzial jedoch durch die Kombination aus passender Franchise, geeignetem Versicherungsmodell und einer auf die persönliche Situation abgestimmten Krankenkasse. Weitere Tipps dazu finden Sie auf unserer Seite Krankenkassenprämien sparen.
Die passende Franchise hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Wer seine Gesundheitskosten realistisch einschätzt, genügend finanzielle Reserven berücksichtigt und seine Krankenversicherung regelmässig überprüft, kann langfristig sparen und gleichzeitig unangenehme Überraschungen vermeiden.
Ob sich für Sie eine Franchise von CHF 300, CHF 1'500 oder CHF 2'500 lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind nicht nur die Prämien, sondern die gesamten Gesundheitskosten über das Jahr hinweg.
Sind Sie unsicher, welche Lösung zu Ihrer Situation passt? Unsere Expertinnen und Experten unterstützen Sie dabei, die passende Franchise und das geeignete Versicherungsmodell zu finden.