Husten, Fieber, Gliederschmerzen: Wer krank im Bett liegt, stellt sich schnell dieselbe Frage. Reicht Ruhe, oder sollte ich zum Arzt? Telemedizin kann diese Frage in vielen Fällen schon nach einem kurzen Anruf beantworten. Sie hat aber Spielregeln, und nicht jedes Versicherungsmodell funktioniert gleich. In diesem Beitrag erfahren Sie, woran Sie Grippe und Erkältung unterscheiden, wie Telmed- und Flex-Modelle im Alltag funktionieren und worauf Sie bei der Wahl Ihres Modells achten sollten.
Beide Erkrankungen betreffen die Atemwege, verlaufen aber unterschiedlich. Eine Erkältung entwickelt sich meist schleichend, eine echte Grippe (Influenza) beginnt oft plötzlich und wirft Sie innerhalb weniger Stunden aus dem Alltag.
| Merkmal | Erkältung | Grippe |
|---|---|---|
| Krankheitsbeginn | schleichend | plötzlich |
| Fieber | selten, meist leicht | häufig, oft hoch |
| Schnupfen und Niesen | typisch | eher selten |
| Kopf- und Gliederschmerzen | leicht | oft stark |
| Erschöpfung | mässig | ausgeprägt |
Die meisten Atemwegsinfekte heilen ohne spezielle Behandlung aus. Ruhe, Schlaf, viel Flüssigkeit und der Verzicht auf intensive Belastung unterstützen das Immunsystem.
Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn eines dieser Warnzeichen auftritt:
hohes Fieber, das mehrere Tage anhält
Atembeschwerden oder Schmerzen beim Atmen
Beschwerden, die sich nach einer anfänglichen Besserung wieder verschlimmern
starke Schmerzen oder ein auffallend schlechter Allgemeinzustand
chronische Vorerkrankungen
Ältere Menschen, Schwangere und Personen mit chronischen Erkrankungen sollten Beschwerden früh ärztlich abklären lassen. Bei starker Atemnot, Brustschmerzen oder Verwirrtheit gilt: sofort den Notruf 144 wählen.
Bei einem Telmed-Modell rufen Sie bei Beschwerden zuerst die Telemedizin-Nummer Ihrer Krankenkasse an. Dort beurteilen Gesundheitsfachpersonen, Ärztinnen oder Ärzte Ihre Situation, meist rund um die Uhr. Das Ergebnis kann ganz unterschiedlich ausfallen:
Sie können sich zu Hause auskurieren, und Sie erhalten Tipps zur Behandlung.
Sie erhalten bei Bedarf ein Rezept, das Sie in der Apotheke einlösen können.
Sie werden an eine Arztpraxis überwiesen, oft mit einem vermittelten Termin.
Im Einzelfall kann je nach ärztlicher Einschätzung ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis ausgestellt werden.
Sie sparen sich den Weg in die Praxis und das Warten im Wartezimmer, wo in der Grippesaison zusätzliche Ansteckungsgefahr besteht.
Zuerst anrufen: Bei einem Telmed-Modell verpflichten Sie sich, vor einem Arztbesuch die Telemedizin zu kontaktieren.
Ausnahmen: Notfälle sind immer ausgenommen. Je nach Modell gilt das auch für Besuche bei Augenärzten/-ärztin, Zahnärzten/-ärztinnen oder Gynokälogen/Gynäkologin. Die genauen Ausnahmen stehen in den Modellbedingungen.
Folgen bei Nichtbeachtung: Wer ohne Anruf direkt zum Arzt geht, riskiert je nach Versicherer Nachteile, etwa den Verlust des Prämienrabatts (Sie werden in das teurere Standardmodell umgeteilt) oder Kostenfolgen (Sie müssen den Arztbesuch selbst bezahlen).
Dafür günstiger: Als Gegenleistung für diese Verpflichtung erhalten Sie in der Regel einen Rabatt auf die Prämie der Grundversicherung.
Sonntagabend, Ihr Kind hat 39,5 Grad Fieber.
Der Anruf bei der Telemedizin-Hotline gibt Ihnen eine Einschätzung, ohne dass Sie sofort in die Notaufnahme fahren müssen. Falls nötig, wird Ihnen die richtige Anlaufstelle genannt. Gerade für Familien kann das in der Nacht, am Wochenende oder an Feiertagen eine grosse Entlastung sein.
Sie sind berufstätig und fühlen sich seit zwei Tagen elend.
Sie klären per Telefon oder Video, ob ein Arztbesuch nötig ist, und sparen Zeit.
Sie sind in den Ferien oder auf Reisen.
Eine erste Einschätzung ist auch von unterwegs möglich. Ob und wie Ihr Modell im Ausland greift, hängt von den Bedingungen ab und sollte vorher geprüft werden.
Aus den durch PRO VITA begleiteten Notfallmeldungen wissen wir: Gerade bei Reisen oder längeren Aufenthalten ausserhalb der Wohnregion lohnt sich ein Blick in die Modellbedingungen. Je nach Versicherer unterscheiden sich die Abläufe und Möglichkeiten deutlich.
Telmed, Flex, Hausarzt: Welches Modell passt zu Ihnen? Telemedizin ist nicht für alle die beste Lösung. Die folgende Übersicht hilft bei der Einordnung:
| Modell | So funktioniert es | Eher geeignet für |
|---|---|---|
| Standard | freie Arztwahl, höchste Prämie | wer maximale Freiheit will und bereit ist, dafür mehr zu bezahlen |
| Telmed | zuerst Telemedizin, dann bei Bedarf Arzt | Gesunde, Berufstätige, Familien mit kleinen Kindern, digital Affine |
| Hausarzt | immer zuerst die Hausarztpraxis | wer eine feste Vertrauensärztin oder einen festen Vertrauensarzt hat |
| HMO | Behandlung im Gesundheitszentrum | wer ein HMO-Zentrum in der Nähe hat und die Betreuung aus einer Hand schätzt |
| Flex / Multi-Access | Sie wählen die erste Anlaufstelle, zum Beispiel Telemedizin, Partnerapotheke oder Ärztenetzwerk | wer Flexibilität möchte und nicht auf eine einzige Anlaufstelle festgelegt sein will |
Telmed passt weniger gut, wenn Sie häufig Fachärzte konsultieren, chronisch krank sind und enge ärztliche Betreuung benötigen oder wenn Sie telefonische Beratung grundsätzlich ablehnen.
Einen ausführlichen Überblick über alle Modelle finden Sie in unserem Beitrag Standard-, Hausarzt-, HMO- oder Telmed-Modell .
Welches Modell passt zu Ihrem Alltag?
Telmed, Flex, Hausarzt oder Standard: Was sich lohnt, hängt davon ab, wie oft Sie zum Arzt gehen, ob Sie Telemedizin nutzen möchten und wo Sie wohnen. Unsere Expertinnen und Experten vergleichen die Modelle mehrerer Krankenkassen und zeigen Ihnen, was in Ihrer Region möglich ist.
Jetzt Modell vergleichen lassenDie Telemedizin-Anbieter unterscheiden sich je nach Krankenkasse. Medgate gehört zu den bekanntesten Anbietern der Schweiz und bietet Beratung per Telefon, Video und App an. Einige Versicherer arbeiten mit Medgate zusammen, andere mit eigenen Partnern oder anderen Anbietern. Vergleichen Sie daher nicht nur die Prämie, sondern auch:
den Telemedizin-Anbieter und dessen Erreichbarkeit
die Kontaktkanäle (Telefon, Video, App, je nach Anbieter auch Chat)
die Ausnahmen von der Anrufpflicht
die Möglichkeiten für Überweisungen, Rezepte und Zeugnisse
die Bedingungen bei Aufenthalten ausserhalb der Wohnregion oder im Ausland
Nicht alle Modelle sind zudem in jeder Region verfügbar.
Tipp aus der PRO-VITA-Beratung: Viele Versicherte vergleichen zuerst die Prämie. In unseren Beratungen zeigt sich jedoch regelmässig, dass sich Telmed-Modelle nicht nur beim Preis unterscheiden. Da PRO VITA nicht an eine einzelne Krankenkasse gebunden ist, vergleichen wir die Bedingungen verschiedener Anbieter und prüfen, welcher Telemedizin-Anbieter und welches Modell tatsächlich zum Alltag unserer Kundinnen und Kunden passt.
Ein Telmed-Modell senkt die Prämie, ersetzt aber nicht die Kostenbeteiligung. In der Grundversicherung zahlen Sie weiterhin Franchise und Selbstbehalt. In einer Grippesaison mit mehreren Arztbesuchen und Medikamenten kann sich das summieren.
Eine Frau, Jahrgang 1991, wohnhaft in der Stadt Bern (PLZ 3004), mit Franchise 2'500 CHF und ohne Unfalldeckung zahlt bei Sanitas im Modell TelMed Basic (Telemedizin über Medgate) 428.30 CHF pro Monat. Im Standardmodell derselben Kasse sind es 489.15 CHF. Das sind 60.85 CHF weniger pro Monat, also rund 730 CHF pro Jahr oder etwa 12 Prozent. Je nach Kasse und Modell fällt die Ersparnis unterschiedlich aus. Dem steht im Krankheitsfall die normale Kostenbeteiligung gegenüber: Bis zur Franchise von 2'500 CHF tragen Sie die Kosten selbst, danach zahlen Sie 10 Prozent Selbstbehalt (maximal 700 CHF pro Jahr). Quelle: Primeinfo, Stand 19. Oktober 2026.
Wichtig zu wissen: Die jährliche Ersparnis von rund 730 CHF wirkt auf den ersten Blick attraktiv. In unseren Beratungen zeigt sich jedoch regelmässig, dass die passende Franchise und das passende Versicherungsmodell zusammen betrachtet werden sollten. Wer nur auf die Prämie schaut, trifft nicht immer die günstigste Entscheidung für das gesamte Jahr.
Wie sich die Wahl der Franchise auswirkt, lesen Sie im Beitrag Welche Franchise lohnt sich 2027?. Die Kombination aus Modell und Franchise entscheidet, was Sie über das Jahr hinweg tatsächlich bezahlen.
Die Grundversicherung übernimmt die Grippeimpfung für Personen mit erhöhtem Komplikationsrisiko. Dazu zählen laut dem Referenzdokument des Bundesamts für Gesundheit Personen ab 65 Jahren, Schwangere, Bewohnende von Pflegeheimen, bestimmte Frühgeborene sowie Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen, zum Beispiel des Herzens, der Lunge, der Leber oder der Nieren. Seit dem 1. Januar 2026 fällt dafür keine Franchise mehr an, der Selbstbehalt von 10 Prozent bleibt bestehen (alle Neuerungen im Überblick). Ob die Impfung für Sie empfohlen ist, klärt Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder Ihre Apotheke. Die aktuellen Empfehlungen finden Sie beim Bundesamt für Gesundheit.
Die Prämien für 2027 sind bekannt. Die Grundversicherung lässt sich einmal pro Jahr auf den 1. Januar wechseln. Die Kündigung muss bis spätestens Ende November bei der bisherigen Kasse eingegangen sein. Prüfen Sie daher jetzt, ob Ihr heutiges Modell noch zu Ihrem Alltag passt. Mehr zu Fristen, Kündigung und Ablauf lesen Sie auf unserer Seite zum Krankenkassenwechsel.
Eine Erkältung beginnt meist langsam mit Halsweh und Schnupfen. Eine Grippe tritt oft plötzlich auf und geht typischerweise mit hohem Fieber, starken Gliederschmerzen und ausgeprägter Erschöpfung einher.
Nein. Viele Infekte klingen von selbst ab. Bei langanhaltendem Fieber, Atembeschwerden oder deutlicher Verschlechterung sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
Je nach Versicherer können Nachteile entstehen, zum Beispiel der Verlust des Prämienrabatts oder Kostenfolgen. Notfälle sind immer ausgenommen. Die genauen Regeln stehen in den Bedingungen Ihres Modells.
Bei den meisten Telmed-Modellen ist die telefonische Beratung für Versicherte kostenlos. Kosten für Behandlung, Medikamente und Arztbesuche laufen weiterhin über Franchise und Selbstbehalt. Prüfen Sie die Bedingungen Ihres Modells.
Nein. Die Telemedizin-Anbieter unterscheiden sich je nach Versicherer und Modell. Manche Kassen arbeiten mit Medgate, andere mit anderen Anbietern.
Ja. Neben klassischen Telmed-Modellen gibt es Flex- oder Multi-Access-Modelle, bei denen Telemedizin eine von mehreren möglichen Anlaufstellen ist.
Das hängt von Ihrer aktuellen Krankenkasse, Ihrem Wohnort und den verfügbaren Modellen ab. Eine individuelle Prüfung schafft Klarheit.
Die meisten Erkältungen und Grippen heilen von selbst aus. Entscheidend ist, dass Sie die Warnzeichen kennen und wissen, wann ein Anruf oder ein Arztbesuch sinnvoll ist. Telemedizin spart Ihnen dabei Zeit, Wege und Ansteckungsrisiko, sofern Sie die Spielregeln Ihres Modells kennen.
Welches Modell zu Ihnen passt, hängt von Ihrem Alltag ab: Wie oft brauchen Sie Ärztinnen und Ärzte, wie wichtig ist Ihnen die freie Arztwahl, und wie hoch ist Ihre Franchise? Die Prämie allein sagt darüber wenig aus.
PRO VITA ist an keine einzelne Krankenkasse gebunden und vergleicht für Sie Modelle, Telemedizin-Anbieter und Bedingungen verschiedener Versicherer. Lassen Sie Ihr Modell jetzt unverbindlich prüfen, solange ein Wechsel auf Anfang 2027 noch möglich ist.

Wer auf Anfang 2027 wechseln möchte, muss bis Ende November gekündigt haben. Wir schauen gemeinsam mit Ihnen an, ob Ihr heutiges Modell noch zu Ihrem Alltag passt. Dabei vergleichen wir nicht nur die Prämie, sondern auch den Telemedizin-Anbieter und die Bedingungen. So finden Sie die Lösung, die im Krankheitsfall wirklich passt.